RFID (Identifizierung per Funk) erfasst mehrere gekennzeichnete Waren, Behälter oder Paletten gleichzeitig. Ein Barcodescanner muss dafür nicht jedes Etikett einzeln ausrichten. Damit die Erfassung vollständig und zuverlässig funktioniert, müssen Funketiketten (Tags), Produkte, Lesegeräte, Funkumgebung und Ablauf zusammenpassen.
Planen Sie den Erfassungsprozess und testen Sie ihn mit den tatsächlichen Waren und Verpackungen. Die Angabe im Datenblatt, wie viele Tags die Anlage gleichzeitig lesen kann, beweist nicht, dass sie jeden Gegenstand korrekt erfasst und Tags aus benachbarten Bereichen ignoriert.
RFID-Erfassungsprozess festlegen
Bestimmen Sie zuerst, welche Waren gezählt werden und wo die Erfassung stattfindet. Einzelartikel in einem Karton erfordern etwas anderes als eine Palette, die ein Tor passiert. Beim Wareneingang muss die gelesene Kennung zur richtigen Lieferung gehören. Bei einer Inventur muss sie dem richtigen Lagerplatz zugeordnet sein.
Legen Sie fest, woran Sie ein korrektes Ergebnis erkennen. Achten Sie mindestens auf zwei Fehlerarten: Ein Tag wird übersehen oder ein Tag aus einer Nachbarzone wird fälschlich mitgelesen. Planen Sie auch wiederholte Lesungen desselben Tags ein. Die Software kann diese Wiederholungen herausfiltern. Übersehene Tags findet sie dadurch aber nicht automatisch.
Legen Sie vor einem Pilotversuch messbare Kriterien für die Abnahme fest. Dazu gehören die Vollständigkeit je Durchlauf, unerwünschte Mitlesungen, die Erfassungsdauer und die Zahl der nötigen manuellen Nachzählungen. Bestimmen Sie auch, wie Mitarbeitende mit einem unvollständigen Ergebnis umgehen und wann sie einen Barcode oder eine manuelle Prüfung nutzen.

Tags und Waren testen
Wie gut ein Tag gelesen wird, hängt von seiner Position und vom Lesegerät ab. Metall kann Funkwellen reflektieren und die Erfassung erschweren. Auch Flüssigkeiten und andere leitende Materialien können die Erfassung beeinflussen. Verpackung, Stapelung und die Lage der Tags spielen ebenfalls eine Rolle.
Testen Sie daher typische Warenmischungen und reale Abläufe, nicht nur einen frei liegenden Musterartikel. Prüfen Sie beispielsweise, ob ein Tag an der vorgesehenen Stelle auf einem Karton lesbar bleibt, wenn mehrere Kartons dicht gestapelt sind. Berücksichtigen Sie auch wechselnde Packbilder und die Bewegung durch ein Lesetor. Eine Tag-Auswahl, die auf einem einzelnen Produkt funktioniert, ist damit noch nicht für die gesamte Ladeeinheit bestätigt.
Bei passiven UHF-Tags erzeugt das Lesegerät das Funkfeld; der Tag antwortet, indem er einen Teil des Signals zurückstreut. Das unterscheidet sich von einer aktiven Funkquelle mit eigener Batterie. Schreibfähigkeit ist eine separate Eigenschaft: Ein passiver Tag ist nicht automatisch beschreibbar. Prüfen Sie deshalb, welche Kennung der Tag trägt und ob der Prozess lediglich lesen oder auch Daten auf den Tag schreiben muss.
RFID und NFC sind verwandte, aber nicht austauschbare Technologien. NFC wird häufig für kurze Abstände genutzt. Eine NFC-Karte ist nicht automatisch verschlüsselt und passt nicht ohne Weiteres zu einem UHF-Lesepunkt für Waren. Wählen Sie Frequenz und Protokoll passend zum Erfassungsort und zu den eingesetzten Geräten.
RFID-Lesebereich und Software abstimmen
Ein festes Lesetor muss die vorgesehene Zone erfassen und möglichst wenig außerhalb davon. Stellen Sie im Pilotversuch die Ware so auf, wie sie später tatsächlich steht oder bewegt wird. Prüfen Sie dabei auch, ob Gegenstände neben dem Tor unbeabsichtigt mitgelesen werden. Je nach Ursache helfen eine veränderte Anordnung oder eine geeignete Abschirmung; beides muss unter den konkreten Bedingungen getestet werden.
Auch die Software beeinflusst das Ergebnis. Sie muss wiederholte Lesungen herausfiltern. Außerdem muss sie Kennungen den richtigen Artikeln oder Ladeeinheiten zuordnen und die Daten an das Warenwirtschaftssystem übergeben. Klären Sie vor dem Kauf, ob die vorhandenen Systeme Seriennummern verarbeiten und die nötigen Zuordnungen speichern können. Ein Lesegerät kann eine Kennung korrekt lesen, doch ohne Zuordnung zur Lieferung oder Palette bleibt die Buchung falsch.
Planen Sie außerdem einen Rückfallweg ein. Wenn eine Erfassung unvollständig ist, sollten Beschäftigte erkennen können, welche Einheit geprüft werden muss und wie sie diese nachzählen. So wird ein Funkfehler nicht stillschweigend zu einem falschen Lagerbestand.
Frequenzregeln in Deutschland prüfen
Für UHF-RFID in Deutschland müssen Geräte und Konfiguration zur aktuellen Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur passen. Die Verfügung 91/2025 sieht im Bereich 865 bis 868 MHz bis zu 2 W ERP vor, jedoch nur auf Kanälen mit den Mittenfrequenzen 865,7, 866,3, 866,9 und 867,5 MHz. Weitere Bedingungen betreffen unter anderem den Frequenzzugang und die Begrenzung der Bandbreite. Sie können diesen Leistungswert also nicht einfach auf jedes Gerät übertragen.
Eine europäische Norm kann einen größeren Frequenzumfang beschreiben als die deutsche Zuteilung erlaubt. Dass die Norm DIN EN 302208 auch Geräte für 915 bis 921 MHz umfasst, bedeutet nicht, dass dieser Bereich in Deutschland unter denselben Bedingungen genutzt werden darf. Lassen Sie sich vor der Beschaffung bestätigen, dass das Gerät für den geplanten Einsatz in Deutschland geeignet ist, und prüfen Sie die jeweils geltenden Vorgaben der Bundesnetzagentur.

Datenschutz und Zugriff klären
Eine Warenkennzeichnung enthält nicht automatisch personenbezogene Daten. Datenschutz wird relevant, wenn die gelesene Kennung mit einer identifizierbaren Person verbunden werden kann, etwa über eine Zuordnung zu Beschäftigten oder über Bewegungs- und Nutzungsvorgänge. Die Datenschutz-Grundverordnung berücksichtigt Kennungen wie RFID-Tags als mögliche Online-Kennungen, sofern weitere Informationen eine Identifizierung ermöglichen.
Klären Sie deshalb vor dem Start, welche Daten der Reader speichert, wer darauf zugreifen darf und ob sich Warenbewegungen einer Person zuordnen lassen. Verarbeiten Sie nur Daten, die der Erfassungszweck erfordert, und beziehen Sie Datenschutz und Informationssicherheit in die Planung ein. Ob Datenschutz eine Rolle spielt, hängt davon ab, ob sich die Kennung mit einer Person verknüpfen lässt.
RFID-Kosten und Nutzen vergleichen
Vergleichen Sie RFID mit dem bestehenden Ablauf, nicht nur mit der Zeit für einen einzelnen Scan. Die Rechnung umfasst Tags und Etikettierung sowie Lesegeräte und Antennen. Hinzu kommen Montage, Software und Schnittstellen. Berücksichtigen Sie auch Schulung und laufende Nacharbeit. Stellen Sie diesen Aufwänden messbare Verbesserungen gegenüber, etwa weniger manuelle Erfassung oder weniger Nachzählungen.
Ältere Untersuchungen mahnen zu vorsichtigen Erwartungen. Eine TUM-Studie aus dem Jahr 2011 berichtete, dass in mehr als der Hälfte der untersuchten RFID-Projekte keine gleichzeitige Erfassung eingesetzt wurde. Eine Studie aus dem Jahr 2008, die 114 RFID-nutzende Unternehmen verglich, fand außerdem keinen systematischen Leistungsvorteil allein durch Automatisierung. Beide Befunde sind historisch und sagen nicht voraus, wie ein heutiges Projekt in Ihrem Betrieb abschneidet. Sie zeigen aber, warum ein belastbarer Nutzen aus dem konkreten Prozess nachgewiesen werden sollte.
Pilotversuch auswerten
Führen Sie den Pilotversuch mit typischen Produkten, Verpackungen und Bewegungsabläufen durch. Notieren Sie bei jedem Durchlauf, welche Tags fehlen, welche fremden Tags auftauchen und wie viel manuelle Nacharbeit nötig ist. Wiederholen Sie die Prüfung unter den Bedingungen des Alltags, statt nur einen günstigen Einzelaufbau zu testen.
Weiten Sie den Einsatz erst aus, wenn die zuvor festgelegten Kriterien erreicht werden und die Warenwirtschaft die gelesenen Kennungen korrekt verbucht. Die verfügbaren Untersuchungen liefern keine allgemeingültige Mindestquote und keine typische Pulkgröße. Auch ältere Beispiele mit Dutzenden oder mehreren hundert Tags pro Lesevorgang sind keine Zusicherung für andere Waren und Anlagen.



