Wenn Sie RFID-Tags an Tiefkühlware, Metallteilen oder Gegenständen befestigen, die erhitzt werden, hängt es vom Modell ab, bei welchen Temperaturen Sie den Tag einsetzen können. RFID identifiziert Objekte per Funk: Ein Lesegerät fragt Daten von einem kleinen Tag ab. Auch wenn ein Tag eine kurze Hitzephase übersteht, lässt er sich währenddessen nicht unbedingt auslesen oder beschreiben.

Prüfen Sie getrennt, welche Temperaturen der Tag im normalen Betrieb aushält, wie lange er höheren Temperaturen standhält und bei welchen Temperaturen er gelagert werden darf. Bei NFC-Tags, die Smartphones oder Lesegeräte aus kurzer Entfernung auslesen, gelten die Temperaturangaben für den Chip nicht automatisch auch für das fertige Etikett.

Drei Temperaturangaben unterscheiden

Die Betriebstemperatur bezeichnet den Bereich, in dem der Hersteller den normalen Betrieb vorsieht, etwa das Auslesen oder Beschreiben. Eine Belastungs- oder Überlebenstemperatur gibt an, welcher Temperatur der Tag für begrenzte Zeit und unter bestimmten Bedingungen ausgesetzt werden darf. Die Lagerungstemperatur gilt für die Aufbewahrung, nicht unbedingt für den Betrieb.

Diese Unterschiede sind bei heißen Prozessen besonders wichtig. Xerafy gibt für seine Modelle MICRO Paint Shop und MICRO Heat hohe Temperaturen als zeitlich begrenzte Belastung an. Den Temperaturbereich für Lesen und Schreiben nennt der Hersteller getrennt. Eine kurze Wärmebehandlung kann also innerhalb der Belastungsgrenze liegen. Diese Grenze sagt jedoch nicht aus, ob sich der Tag während der Behandlung per Funk auslesen oder beschreiben lässt.

Auch Dauer und Wiederholungen zählen. Ein einzelner kurzer Temperaturzyklus zeigt kaum, wie gut ein Tag nach vielen Zyklen mit Abkühlphasen funktioniert. Prüfen Sie daher im Datenblatt, ob der Hersteller Dauer, Zykluszahl und Bedingungen nennt.

Rolle mit RFID-Etiketten. (KI-Symbolbild)
KI-generiertes Symbolbild

Temperaturdaten ausgewählter RFID-Tags

Die folgenden Werte stammen aus Herstellerangaben und Datenblättern. Sie sind keine Ergebnisse eines unabhängigen Vergleichstests und gelten nur für die jeweils genannten Produkte und Prüfbedingungen.

Tag und Einsatz Angegebene Temperaturdaten Bedeutung für die Auswahl
HID IronTag, UHF-Tag für Metall HID nennt einen Bereich von −40 °C bis +220 °C sowie bis zu 400 Stunden bei 180 °C und bis zu 10 Stunden bei 220 °C. Für Metallobjekte gibt der Hersteller eine Lese- und Schreibreichweite von bis zu 4 m an. Die Zeitangaben grenzen die hohe Temperaturbelastung ein. Sie belegen keine unbegrenzte Zahl von Heizzyklen.
Xerafy MICRO Paint Shop und MICRO Heat, UHF-Tags für Metall Für Paint Shop nennt Xerafy 250 °C für 500 Stunden, für Heat 215 °C für 48 Stunden. Lesen und Schreiben gibt der Hersteller für beide Modelle bei −40 °C bis +85 °C an. Die Belastungstemperatur liegt deutlich über dem spezifizierten Bereich für den regulären Funkbetrieb. Xerafy weist außerdem darauf hin, dass wiederholte Zyklen die Lebensdauer beeinflussen.
Pepperl+Fuchs IPC02-26-T6, passiver Niederfrequenz-Transponder Das Datenblatt vom 17. Juni 2024 nennt −25 °C bis +85 °C als Umgebungstemperatur. Für 100 Zyklen à fünf Minuten ist eine Belastung von +20 °C bis +160 °C angegeben; der Transponder soll dabei alle 30 Sekunden versetzt werden. Zur Lagerung nennt der Hersteller −25 °C bis +140 °C; außerdem ist +200 °C für fünfmal 35 Minuten angegeben. Betrieb, zeitlich begrenzte Prozessbelastung und Lagerung sind getrennt ausgewiesen. Das Datenblatt warnt zudem vor Schäden durch verspannte Montage, weil sich das Gehäuse bei Hitze ausdehnen kann.
NXP NTAG213/215/216, NFC-Chips NXP nennt für den Chip −25 °C bis +70 °C als Umgebungstemperatur und −55 °C bis +125 °C für die Lagerung. Diese Angaben betreffen den Chip. Sie sind keine zugesicherte Temperaturgrenze für einen fertigen Aufkleber oder eine Karte.

Ein großer Temperaturbereich allein bedeutet nicht, dass der Tag für jede Anlage geeignet ist. HID IronTag und die Xerafy-Modelle sind Beispiele für industrielle Tags, darunter Ausführungen zur Montage auf Metall. Reichweite und Funktion hängen trotzdem auch vom Lesegerät, der Einbaulage und der Umgebung ab.

Kälte, Feuchte und Montage

Bei Kühl- und Gefrieranwendungen muss der Tag während des Betriebs im angegebenen Temperaturbereich liegen. Dass der Tag bei niedrigen Temperaturen gelagert werden darf, belegt nicht, dass er dort auch funktioniert. Prüfen Sie außerdem, ob Klebstoff, Trägermaterial und Gehäuse die Kälte aushalten. Beim Wechsel zwischen kalten und warmen Bereichen kann Kondenswasser die Befestigung und den Schutz des Tags zusätzlich belasten.

Bei Hitze zählen neben dem Spitzenwert die Dauer und die Zahl der Wiederholungen. Ebenso wichtig sind Dampf, Reinigungsmittel und andere Chemikalien, wenn sie am Einsatzort auftreten. Für die Montage auf Metall brauchen Sie ein dafür vorgesehenes Modell: Metall beeinflusst die Funkverbindung, und manche Tags sind eigens für solche Oberflächen konstruiert.

Befestigen Sie den Tag entsprechend den Montagehinweisen des Herstellers. Beim Pepperl+Fuchs IPC02-26-T6 warnt das Datenblatt etwa davor, das Gehäuse durch eine verspannte Montage mechanisch zu belasten. Wärmedehnung kann sonst das Gehäuse beschädigen.

NFC-Chip und fertiges Etikett

NFC ist eine RFID-Technik für kurze Abstände, zum Beispiel zwischen einem Tag und einem Smartphone. Beim NXP NTAG213/215/216 beziehen sich die Temperaturdaten auf den integrierten Schaltkreis, den IC. Ein fertiges NFC-Produkt besteht zusätzlich aus Antenne, Träger und gegebenenfalls Klebstoff oder Gehäuse. Diese Bauteile können den nutzbaren Temperaturbereich begrenzen.

Wählen Sie deshalb nach Möglichkeit ein Datenblatt für das vollständige Produkt. Wenn der Hersteller nur Chipdaten nennt, klären Sie die Temperaturgrenzen des konkreten Etiketts oder Tags, bevor Sie es an einer kalten oder heißen Oberfläche einsetzen.

Ein gewöhnlicher RFID-Tag erfasst außerdem nicht automatisch die Temperatur seines Gegenstands. HID beschreibt die Produktfamilie Sense als passive Temperatur-Sensor-Tags, die laut Hersteller Temperaturen von −40 °C bis +120 °C erfassen. Diese Angabe beschreibt den Messbereich der Produktfamilie. Sie sagt nicht allgemein aus, welche Temperaturen jedes Modell übersteht oder bei welchen Temperaturen es sich auslesen lässt. Prüfen Sie beim ausgewählten Produkt die Messfunktion und dessen Einsatzbedingungen.

Kleiner integrierter Schaltkreis auf einer Elektronikplatine. (KI-Symbolbild)
KI-generiertes Symbolbild

RFID-Tag am Einsatzort testen

Halten Sie vor der Auswahl die niedrigste und höchste Temperatur, die jeweilige Dauer und die Zahl der Zyklen fest. Halten Sie auch fest, ob der Tag während der Wärme- oder Kältephase lesbar sein muss oder erst danach. Berücksichtigen Sie Oberfläche, Befestigung, Feuchtigkeit und die benötigte Lesereichweite.

Testen Sie anschließend den konkreten Tag mit dem vorgesehenen Lesegerät und der echten Montage. Ein Test mit einem losen Tag zeigt nicht zuverlässig, ob derselbe Tag auf Metall, unter einer Schutzschicht oder mit dem gewählten Klebstoff funktioniert. Für Temperaturmessungen müssen außerdem der Sensorwert und das Auslesen unter den tatsächlichen Einsatzbedingungen geprüft werden.

In Deutschland sollten Sie auch Frequenzband und Funkbedingungen des Lesegeräts anhand der geltenden Vorgaben der Bundesnetzagentur prüfen. Die Behörde führt unter anderem die Allgemeinzuteilung für Geräte geringer Reichweite, Verfügung 91/2025. Die im Datenblatt angegebene Reichweite ersetzt keinen Test am Einsatzort. Dort können andere Funknutzer die Übertragung stören.

Nur autorisierte Geräte nutzen

Testen und lesen Sie ausschließlich eigene oder ausdrücklich freigegebene Tags, Lesegeräte und Daten aus. Das gilt besonders für Zugangskarten und Tags, die einer anderen Person oder Organisation gehören.

Wenn RFID personenbezogene Daten verarbeitet, müssen Zweck, Berechtigung und Umfang der Datenverarbeitung geklärt sein. Die Datenschutz-Grundverordnung verlangt unter anderem eine Rechtsgrundlage sowie Zweckbindung und Datenminimierung. Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit weist darauf hin, dass ein RFID-Chip als Hardware nicht automatisch dem Datenschutzrecht unterliegt; entscheidend ist die Verarbeitung personenbezogener Daten. Diese Einordnung ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.