Der größte beim RFID-Test im Lager, am Tor oder in der Produktion gemessene Leseabstand ist für den späteren Betrieb wenig aussagekräftig. Entscheidend ist, ob die vorgesehenen Tags im richtigen Bereich zuverlässig erkannt werden und außerhalb davon keine unerwünschten Lesevorgänge auslösen.
Die Reichweite hängt von Tag, Lesegerät und Antenne ab. Auch Ausrichtung, Montage und Umgebung beeinflussen sie. Testen Sie deshalb am Einsatzort mit dem geplanten Ablauf. Erfassen Sie im Pilot den Abstand und die Lesequote. Notieren Sie außerdem die Bewegungsbedingungen und mögliche Fehlzuordnungen.
Reichweite passend zum Ablauf festlegen
Legen Sie vor dem ersten Test fest, wo das Lesegerät einen Tag erkennen soll und wie zuverlässig die Erkennung für den Ablauf sein muss. Bei einem Durchgangstor zählt zum Beispiel, ob die Tags während der Bewegung gelesen werden. Bei einem Regal zählt, ob das Lesefeld auf den vorgesehenen Bestand begrenzt bleibt.
Passive UHF-Tags erzeugen keine eigene Funkenergie. Das Lesegerät versorgt sie mit Funkenergie, und der Tag sendet daraufhin ein Signal zurück. GS1 nennt für passive UHF-Tags mehrere Meter als typische Größenordnung und bis zu 15 Meter in besonderen Fällen. Solche Angaben sind Orientierung für die Auswahl von Testgeräten, keine Zusage für Ihren Standort.
Ein einzelner erfolgreicher Lesevorgang am weitesten Punkt reicht als Ergebnis nicht aus. Messen Sie stattdessen, bei welchem Abstand die vorher festgelegte Mindest-Lesequote in wiederholten Tests erreicht wird. Definieren Sie außerdem, welche Tags außerhalb der gewünschten Zone nicht gelesen werden dürfen.

Standort und Materialien mitprüfen
Metallflächen reflektieren Funkwellen. Dadurch kann sich das Lesefeld verändern. Das Lesegerät kann einen Tag dann auch an einem anderen als dem erwarteten Gegenstand erkennen. Flüssigkeiten können Funkenergie aufnehmen und die Tag-Antenne beeinflussen. Prüfen Sie daher die Tags am tatsächlichen Produkt und an der vorgesehenen Stelle, nicht nur lose auf einem Tisch.
Für Metall gibt es speziell ausgelegte Tags. Fraunhofer IIS nennt für einen bestimmten passiven UHF-Transponder auf Metall drei bis fünf Meter bei schmalbandiger Auslegung und bis zu zwei Meter bei breitbandiger Auslegung. Diese Werte gelten für die beschriebene Ausführung und sind nicht auf beliebige Tags übertragbar.
Auch die Ausrichtung macht einen Unterschied. Drehen und verschieben Sie die Tags innerhalb der vorgesehenen Montagepositionen. Die GS1-Prüfmethodik sieht für kontrollierte Vergleiche zum Beispiel Drehungen in 30-Grad-Schritten und mehrere Antennenpositionen vor. Diese Methode gilt fürs Labor. Im Pilot müssen Warenform und Montage der Realität entsprechen.
Messungen im Pilot durchführen
Vergleichen Sie Komponenten zunächst unter gleichbleibenden Bedingungen mit denselben Tag-Positionen, Abständen und Einstellungen des Lesegeräts. Ändern Sie anschließend jeweils einen Faktor, etwa die Antennenposition oder den Tag-Typ, um zu erkennen, welche Anpassung das Ergebnis verändert.
Messen Sie im Stillstand und während des laufenden Ablaufs. Ein statischer Test zeigt, wo ein einzelner Tag erkannt wird; beim dynamischen Test zählt, ob die Erkennung auch bei vorgesehener Bewegung und Geschwindigkeit funktioniert. Testen Sie außerdem mehrere Tags gleichzeitig, wenn im Betrieb Behälter oder Waren mit mehreren Tags zusammen vorbeikommen.
Nutzen Sie die Lesequote als zentrale Kennzahl: Teilen Sie die erfolgreichen Lesevorgänge durch alle möglichen Lesevorgänge. Erfassen Sie daneben Fehlreads. Dazu zählen Erkennungen außerhalb des vorgesehenen Bereichs und Zuordnungen zu einem falschen Objekt. Für beide Kennzahlen gibt es keinen allgemeingültigen Grenzwert. Legen Sie die erforderliche Lesequote und die zulässige Zahl unerwünschter Reads passend zum Prozessrisiko vor dem Test fest.
Notieren Sie bei jedem Durchlauf die Testbedingungen: Tag-Modell und Position sowie Lesegerät und Antenne. Halten Sie auch Frequenz, Leistung, Abstand und Ausrichtung fest. Ergänzen Sie Material, Bewegung und die Anzahl der gleichzeitig vorhandenen Tags. Ohne diese Angaben lassen sich Ergebnisse aus verschiedenen Aufbauten kaum vergleichen.
Funkvorgaben in Deutschland beachten
In Deutschland müssen Reader innerhalb der geltenden Frequenz- und Leistungsbedingungen betrieben werden. Die Bundesnetzagentur führt die Allgemeinzuteilung Vfg. 91/2025 für Geräte geringer Reichweite. Für RFID-Abfragegeräte im Bereich 865 bis 868 MHz nennt sie 2 W ERP ausschließlich auf den Kanälen mit den Mittenfrequenzen 865,7, 866,3, 866,9 und 867,5 MHz. Dabei gelten eine Bandbreite von höchstens 200 kHz sowie Vorgaben zum Zugang zu Frequenzen und zur Verringerung von Störungen.
Die Leistungsgrenze beschreibt die zulässige Nutzung unter den genannten Bedingungen. Sie sagt nicht voraus, wie weit ein bestimmter Tag am Standort gelesen wird. Prüfen Sie vor dem Pilot die Einstellungen des Lesegeräts und die geltenden Vorgaben der Bundesnetzagentur. Verwenden Sie nur Geräte und Daten, zu deren Nutzung Sie berechtigt sind; Zutrittsumgehung, fremdes Kartenklonen und Funkstörung gehören nicht in einen Reichweitentest.

Reichweite und Fehlreads bewerten
Ein weiter Lesebereich hilft, wenn Tags bei einem Durchgang aus größerer Entfernung erkannt werden sollen. In einem eng begrenzten Lesebereich kann derselbe Effekt zu mehr Fehlreads oder zu einer unklaren Zuordnung führen. Prüfen Sie deshalb, ob das Lesefeld die gewünschte Form hat und die Tags im vorgesehenen Ablauf erkannt werden.
Ein deutsches Pilotprojekt zeigt, dass die Umgebung die Wahl der Technik beeinflussen kann. Bei einem Lagerprojekt in Hockenheim wechselte das Projekt MICA von HF zu UHF. Produkte, Sammelbehälter und Regale bestanden aus Metall; gefragt waren eine größere Reichweite und das Lesen von Tags auf Metall. Der Bericht zeigt, dass die Technik an die Anwendung angepasst wurde. Er nennt aber keine veröffentlichten Messwerte zur Reichweite oder Zuverlässigkeit.



